Elektroretinografie (kurz ERG) ist eine der wichtigsten Untersuchungen in der tierärztlichen Augenheilkunde. Sie ermöglicht die Beurteilung der elektrischen Aktivität der Netzhaut, das heißt, sie überprüft, ob die lichtempfindlichen Rezeptoren in Form von Stäbchen und Zapfen ordnungsgemäß funktionieren. Wann ist eine ERG-Untersuchung angezeigt? Wie verläuft sie? Wie bereitet man den Hund auf die Elektroretinografie vor?
Um die Bedeutung der ERG-Untersuchung zu verstehen, muss man erläutern, wozu die Netzhaut im Auge tatsächlich dient. Vereinfacht gesagt – sie ist verantwortlich für das Sehen bestimmter Bilder. Sie empfängt Lichtreize und verwandelt sie in einen elektrischen Impuls, der dann über die Nerven an das Gehirn weitergeleitet wird. In der Netzhaut selbst befinden sich die lichtempfindlichen Rezeptoren – Zapfen und Stäbchen, die nacheinander für das Sehen von Farben und Formen verantwortlich sind. Wenn ihre Funktion irgendwie gestört ist, hat das Auswirkungen auf die Sehfähigkeit des Tieres.
Wann wird die ERG-Untersuchung durchgeführt?
ERG wird routinemäßig vor der Durchführung einer Kataraktoperation bei Hunden durchgeführt. Diese Krankheit verursacht nämlich eine Trübung der Linse, was die Beurteilung des Zustands der Netzhaut während einer standardmäßigen augenärztlichen Untersuchung erschwert. Dies ist insofern wichtig, als eine mögliche Schädigung der Netzhaut als Kontraindikation für den Katarakt-Operative gilt.
Darüber hinaus ist ERG eine der effektivsten Methoden zur richtigen Diagnose verschiedener Netzhauterkrankungen, insbesondere solcher, bei denen zunächst keine ophthalmologischen Störungen sichtbar sind (z. B. Netzhautdysplasie, Tagblindheit, die vor allem bei kurzhaarigen Deutschen Vorstehhunden und Alaskan Malamute auftritt, plötzliche erworbene Netzhautdegeneration usw.).
Die Elektroretinografie dient auch zur Diagnose der frühen Form der fortschreitenden Netzhautfrauenatrophie (PRA) und der Dysplasie von Stäbchen oder Zapfen (rcd). Diese Erkrankungen treten am häufigsten bei Rassen wie Collies, Norwegischen Elchhunden, Cocker Spaniels, Amerikanischen und Englischen Labrador Retrievern, Poodles und Irischen Settern auf.
Wie verläuft die ERG-Untersuchung?
ERG ist eine vollkommen sichere und schmerzfreie Untersuchung für Hunde. Je nach Protokoll dauert sie etwa 10 oder 45 Minuten. Zunächst wird das Tier auf die Elektroretinografie vorbereitet. Der Patient wird in eine Vollnarkose versetzt, auf den Tisch gelegt und dann an spezielle Geräte angeschlossen. Zwei Elektroden werden subkutan platziert, und eine dritte in Form eines Linseneinsatzes wird auf die Hornhaut gelegt. Die Narkose wird nicht nur verabreicht, um den Komfort des Hundes während der Untersuchung zu erhöhen, sondern auch, um seine Bewegungen einzuschränken. Das Tier muss nämlich still bleiben, damit die Untersuchungsergebnisse so objektiv wie möglich sind. Vor dem Einsetzen der Linse erhält der Hund spezielle Augentropfen, die die Hornhaut betäuben und die Pupillen erweitern.
Die gesamte Untersuchung findet in völliger Dunkelheit statt. Dies dient dazu, den Einfluss von Tageslicht auszuschließen und die Reaktion der einzelnen Netzhaut-Zellen auf die gesetzten Lichtreize zu verstärken.
Worin besteht die ERG-Untersuchung?
Die Elektrode misst die elektrische Aktivität dieses Teils des Auges. Diese äußert sich als Antwort auf einen bestimmten Reiz. Das Ergebnis liegt in Form eines speziellen Diagramms vor, auf dem der empfangene Signalwert in einem bestimmten Zeitrahmen sichtbar ist. Anhand dieser Daten wird der Zustand der Netzhaut und ihrer einzelnen Elemente bestimmt. Die Ergebnisse der ERG-Untersuchung sollten von einem darauf spezialisierten Tierarzt interpretiert werden.
Sofort nach der Untersuchung wird der Hund aufgeweckt. Nach kurzer Zeit kann das Tier mit dem Besitzer nach Hause zurückkehren.
Wie bereiten Sie den Hund auf die ERG-Untersuchung vor?
Obwohl die ERG-Untersuchung schmerzfrei und sicher ist, ist es wichtig, sich angemessen darauf vorzubereiten. Vor allem sollte das Tier nüchtern zum Tierarzt gebracht werden. Die letzte Mahlzeit sollte dem Liebling etwa 8 bis 12 Stunden vor der Elektroretinografie gegeben werden. In dieser Zeit kann der Hund nur Wasser bekommen (besonders wichtig im Sommer).
Man sollte auch daran denken, dass der Vierbeiner nach der Untersuchung mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas unwohl fühlen wird. Es ist ratsam, ihm in dieser Zeit besondere Aufmerksamkeit zu schenken und ihn nicht übermäßig zu belasten. Die Rückkehr zu völliger Verfügbarkeit nach der Narkose kann bis zu einem Tag dauern.
Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Tieraugenheilkunde EyeVet Wrocław: https://eyevet.pl/pl